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Blog

HYROX-Tipps für Fortgeschrittene: Taktiken, um vom Anfänger aufs Podium zu kommen

durch Wout Hendriks 03 Nov 2025
Nachschlagewerk · Hyrox · Ausgabe 2026

Hyrox Sub-70: Der ULTIMATIVE GUIDE für fortgeschrittene Hyrox-Athleten

Dein letzter Hyrox: 1:12:47. Gut. Aber nicht, was du wolltest. Zwischen Kilometer 6 und Station 7 hast du es schon gespürt: Schultern, die schmerzten, eine Achillessehne, die protestierte, Wall Balls, die zum reinen Überlebenskampf wurden. Dein Zustand war nicht das Problem, nicht deine Trainingsstunden. Aber dein Gewebe. Auf fortgeschrittenem Niveau geht es nicht mehr darum, härter zu trainieren. Es geht darum, smarter zu trainieren, um dein Chassis. Dieser Leitfaden gibt dir den 16-Wochen-Plan, die Technik-Korrekturen und die Verletzungsprävention, die den Unterschied zwischen "gut" und Sub-70 ausmachen.

16-Wochen-Plan Periodisierung Verletzungsprävention Wissenschaftlich
Lesezeit · 32 min Kapitel · 16 Zeitplan · 16 Wochen FAQ · 10 Aktualisiert · April 2026
VS
Vitalic Redaktion Basierend auf peer-reviewed Forschung (Wang 2025, Soligard 2016, Lauersen 2014), der praktischen Erfahrung von Sportphysiotherapeuten von Fysiolab Nijmegen und analysierten Hyrox-Daten aus über 700.000 Wettkämpfen.
Das Wesentliche in 12 Punkten

Was Sub-70 Athleten wissen müssen

  • Sub-70 bedeutet Podiumsplätze bei lokalen Events (Top 20 bis 25%), nicht automatisch internationales Podium. Offene Männer durchschnittlich 1:30, Frauen 1:54: Sub-70 ist also wirklich stark.
  • Auf fortgeschrittenem Niveau versagt dein Gewebe, nicht deine Kondition. Herz und Lunge passen sich in 8 bis 12 Wochen an. Sehnen und Bindegewebe brauchen Monate bis Jahre.
  • Periodisierung ist alles. Keine 16 Wochen Vollgas, sondern vier Phasen, die jeweils einem anderen Ziel dienen: Gewebevorbereitung, Volumen, Kraft und Schärfe.
  • Das Akut- versus Chronisch-Belastungsverhältnis (ACWR) ist ein nützliches Orientierungskonzept, kein exakter Vorhersager. Neuere Meta-Analysen (Wang 2025) zeigen, dass die Beweislage weniger eindeutig ist als bisher angenommen.
  • Krafttraining ist die stärkste Verletzungsprävention. Die Meta-Analyse von Lauersen 2014 zeigt: circa 33% weniger Verletzungen durch spezifisches Krafttraining.
  • Schultern sind am anfälligsten. Die Kombination Schlittenziehen, Ski-Erg und Wall Balls überlastet die Rotatorenmanschette (vier kleine Muskeln, die die Schulter stabilisieren). Spezifische externe Rotation 3x pro Woche ist deine Versicherung.
  • Achillessehnenbeschwerden entstehen in Phase 1 und brechen in Phase 3. Die Sehne wächst langsamer mit als deine Kondition. Exzentrische Wadenarbeit früh im Plan verhindert dies.
  • Die Technik bei Renntempo bricht unter Ermüdung zusammen. Filme dich selbst an Station 6 bis 8. Was dann zusammenbricht, kostet mehr Zeit als jeder aerobe Gewinn.
  • Schlittenziehen liegt im Winkel, nicht in der Kraft. Hüftwinkel 45 bis 50 Grad, Schultern über oder knapp vor den Händen, neutraler Rücken.
  • Wall Balls brechen am Tempo, nicht an der Anzahl. Splits von 10-12-10-12 mit Mikropausen von 1 bis 2 Sekunden sind schneller, als sich durchzukämpfen, bis man zusammenbricht.
  • Die Tapering-Phase ist heilig. Volumen minus 40 bis 60 Prozent, Intensität bleibt. Letzte schwere Session 10 Tage vor dem Rennen. Danach nur noch Schärfe.
  • Ernährung in der Rennwoche ist keine Empfehlung. Glykogenspeicher von 8 bis 10 g/kg am Tag vor dem Rennen, 30 bis 40 g Kohlenhydrate pro Stunde während des Rennens.
1:30durchschnittliche Männer Open*
~25%Top-Platz bei Sub-70
16 Wofür PR-Fortschritt
-33%Verletzungen durch Krafttraining*
5-6xTraining pro Woche
10 Tgbis letzte schwere Session

* Hyrox Finish-Zeit Daten 2026 (HyroxDataLab Analyse 700.000+ Wettkämpfe). Lauersen et al. 2014 (BJSM): Meta-Analyse von 25 Studien, Krafttraining führt zu einer Reduktion von Sportverletzungen um etwa ein Drittel.

Warum Fortgeschrittene scheitern

Deine VO2max liegt über 55 ml/kg/min. Dein Schlittenziehen dauert etwa 45 bis 50 Sekunden. Du kannst 100 Wall Balls in drei Sätzen absolvieren, ohne völlig zusammenzubrechen. Auf dem Papier bist du bereit für Sub-70.

Diese Informationen basieren auf praktischen Erfahrungen mit fortgeschrittenen Hyrox-Athleten und wurden in Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten von Fysiolab Nijmegen erarbeitet.

Und doch bekommst du diese Schulterschmerzen drei Wochen vor dem Rennen. Oder diese Achillessehne, die nicht verschwindet. Oder dieses Läuferknie (Schmerz um die Kniescheibe), mit dem du schon seit Wochen zu kämpfen hast.

In einfachen Worten

VO2max ist deine maximale Sauerstoffaufnahme: wie viel Sauerstoff dein Körper pro Minute bei maximaler Anstrengung verarbeiten kann. Je höher, desto besser dein aerober Motor. Ein trainierter Hyrox-Athlet liegt bei 50 bis 60 ml/kg/min. Aber VO2max ist dein Motor. Was dich auf fortgeschrittenem Niveau ausbremst, ist meist nicht dieser Motor, sondern dein Chassis: deine Sehnen, Bänder und Gelenke.

Das Problem ist folgendes: Dein Herz und deine Lungen passen sich schnell an. Innerhalb von 8 bis 12 Wochen verbesserst du deine aerobe Kapazität messbar. Aber deine Sehnen, Bänder und Bindegewebe sind viel langsamer. Sehnen brauchen Monate bis Jahre, um strukturell stärker zu werden. Knochen passen sich noch langsamer an als Sehnen.

Selbst wenn du schon jahrelang trainierst, egal ob du aus dem Functional Fitness oder dem Ausdauersport kommst, belastet Hyrox deinen Körper auf einzigartige Weise. Die Kombination aus 8 Kilometern Laufen mit explosiven Kraftsätzen dazwischen erzeugt ein Belastungsmuster, das keine andere Sportart genau so liefert. Dein Gewebe muss dafür spezifisch aufgebaut werden, sonst bricht es zu einem unerwarteten Zeitpunkt zusammen.

Die Kerndefinition

Auf fortgeschrittenem Hyrox-Niveau ist härteres Training nicht länger die Lösung. Es ist meist die Ursache für deinen Stillstand. Die Frage ist nicht „wie erhöhe ich mein Volumen“, sondern „wie baue ich mein Gewebe so auf, dass es eine höhere Arbeitslast ohne zu versagen bewältigen kann“. Das erfordert Periodisierung, nicht Volumenakkumulation.

Was Sub-70 wirklich bedeutet

Bevor wir die Zeitziele festlegen, eine ehrliche Leistungsbewertung. Die Hyrox-Ansprüche im Internet schwanken irgendwo zwischen "jeder kann Sub-60" und "Sub-70 ist übermenschlich". Keines davon stimmt.

Die Daten, basierend auf einer Analyse von über 700.000 Hyrox-Finishes von HyroxDataLab (2026):

Niveau Offene Männer Offene Frauen Was es bedeutet
Durchschnitt ~1:30 ~1:54 Median über alle Altersgruppen
Top 30% (fortgeschritten) unter 1:20 unter 1:35 Ernsthaft trainiert, mehrere Wettkämpfe
Top 25% (stark) unter 1:15 unter 1:30 Podiumskandidat bei kleinen lokalen Events
Top 10% (Eliten) unter 1:10 unter 1:22 Podiumskandidat bei den meisten Events
Weltspitze ("Elite 15") unter 56 (Pro) unter 62 (Pro) WM-Qualifikation

Sub-70 platziert dich fest in den Top 25% der offenen Männer und in den Top 10% der offenen Frauen. Das bedeutet Podiums-Kandidatur bei lokalen Events und starke Leistung im Altersgruppen-Wettbewerb. Ob du tatsächlich auf dem Podium stehst, hängt von deiner Alterskategorie, dem Teilnehmerfeld und dem Event ab. Für ein internationales Podium schaust du auf Sub-65 für Männer und Sub-72 für Frauen.

In einfachen Worten

Wichtig zu wissen: Open und Pro sind verschiedene Divisionen. Pro verwendet schwerere Gewichte: 152 kg Schlittenziehen für Männer gegenüber 102 kg in Open. Die Weltspitzenzeiten von unter 56 Minuten sind also Pro. Vergleiche immer mit derselben Division und achte darauf, ob es sich um Singles, Doubles oder Relay handelt. Die Unterschiede sind groß.

Die realistische Zeitlinie von 1:15 auf Sub-70: 16 bis 24 Wochen mit korrekter Periodisierung, sofern du unterwegs keine Verletzung erleidest. Wer es schneller versucht, zahlt meist mit monatelangem Ausfall. Wenn du gerade erst mit Hyrox beginnst? Dann starte zuerst mit dem Hyrox Trainingsplan für Anfänger, bevor du diesen Plan in Angriff nimmst.

Die vier Trainingsphasen

Nicht 16 Wochen Vollgas: vier Phasen, die jeweils einem anderen Zweck dienen. Überspringst du eine Phase, brichst du in einer späteren Phase zusammen. Klingt streng, ist es auch.

Phase 1

Anatomische Anpassung

Dauer: 4 Wochen

Hier machen die meisten Leute einen Fehler. Du willst sofort Vollgas geben, aber dein Körper braucht nach dem letzten Zyklus einen Reset. Ziel: Bewegungsqualität über alles und Gewebevorbereitung auf das Kommende.

  • Training mit 12 bis 15 Wiederholungen, submaximale Gewichte (60 bis 70% deines 1RM, oder das maximale Gewicht, das du einmal heben kannst)
  • Tempotraining: 3 Sekunden absenken, 1 Sekunde Pause, 1 Sekunde heben (Notation 3-1-1-0)
  • Besonders die negative Phase bei Ausfallschritten und Schlittenarbeit: dort baust du dein Gewebe auf
  • Fühlt sich zu einfach an? Genau das ist der Punkt
Phase 2

Volumen und Arbeitskapazität

Dauer: 5 Wochen

Volumen aufbauen, mit Fokus auf wiederholte Anstrengung. Nicht maximale Kraft, sondern Geweberesistenz. Du trainierst deinen Körper, um Volumen bewältigen zu können, ohne zu protestieren.

  • 4 bis 5 Sätze von 8 bis 12 Wiederholungen
  • Kurze Pausen zwischen den Sätzen (60 bis 90 Sekunden)
  • Laufen: progressiver Volumenaufbau, mit Schwerpunkt auf Zone 2-Arbeit (ruhiges Tempo, ca. 75 bis 80% deiner maximalen Herzfrequenz)
  • Das ist die Phase, von der du später denkst: "gut, dass ich das gemacht habe"
Phase 3

Rennspezifische Kraft

Dauer: 4 Wochen

Jetzt darf es anstrengend werden. Hier baust du die rennspezifische Kraft auf. Das funktioniert nur, wenn du Phase 1 und 2 ordentlich absolviert hast. Überspringst du diese, hast du hier eine Schulterverletzung.

  • Schwere Schlittenzüge mit 90 bis 100% Renngewicht
  • Explosive Wall Ball Workouts
  • Schwellenläufe: 3x 2 km im 10K-Tempo
  • Komplette Stationssimulationen
Phase 4

Tapering und Peak

Dauer: 3 Wochen (letzte Woche Wettkampf)

Volumen um 40 bis 60 Prozent reduzieren, Intensität bleibt hoch. Du gibst deinem Körper die Möglichkeit, alle Trainingsschäden zu reparieren, ohne neue Schäden hinzuzufügen. Du fühlst dich frisch und möchtest mehr trainieren. Tu es nicht. Dies ist keine Ruhephase, dies ist die Phase, in der du peakst.

  • Woche 14: Volumen minus 25%, Intensität normal
  • Woche 15: Volumen minus 40%, Intensität normal, letzte schwere Session am 10. Tag vor dem Rennen
  • Woche 16 (Rennwoche): Volumen minus 60%, nur leichtes "Schärfe"-Training

Der 16-Wochen-Plan

Hier die praktische Umsetzung. Fünf Trainingseinheiten pro Woche, plus aktive Erholung an Ruhetagen. Passe die spezifischen Distanzen und Gewichte an dein aktuelles Niveau an, aber respektiere die Struktur.

Bevor du beginnst

Hast du derzeit Beschwerden an Schulter, Achillessehne oder Knie? Behandle diese zuerst. Beginne erst mit Phase 1, wenn du zwei Wochen beschwerdefrei bist. Beschwerden in einen 16-Wochen-Zyklus mitzuschleppen, ist die Garantie, dass du in Phase 3 oder 4 scheiterst.

Beispielwoche Phase 1 (Woche 1 bis 4)

Tag Inhalt Detail
Montag Kraft Unterkörper Schlittenarbeit (vorwärts, rückwärts, seitwärts), Bulgarian Split Squats 4x8, Nordic Hamstrings 3x6, Gewicht 70 bis 75% des Max
Dienstag Aerobe Basis 8 bis 12 km in Zone 2 (75 bis 80% max Herzfrequenz): kannst du nicht durch die Nase atmen, gehst du zu schnell
Mittwoch Kraft Oberkörper Wall Balls 5x12, Ski-Erg 5x500m auf 80%, Ring Rows 4x10: Fokus auf Bewegungsqualität
Donnerstag Metabolische Konditionierung EMOM 20 min: 200m Lauf + 10 Wall Balls auf 75% Renntempo
Freitag Zusatztraining Rotatorenmanschette 3x15, Copenhagen Planks 3x20 Sek, Knöchelmobilität: geringes Gewicht, hohe Kontrolle
Samstag Langer Dauerlauf 14 bis 18 km in Zone 1 bis 2 (sehr ruhig)
Sonntag Ruhe oder aktiv Wandern, Foam Rolling, Mobilität
In einfachen Worten

Zone 2 ist eine Trainingsintensität von etwa 75 bis 80% deiner maximalen Herzfrequenz: du kannst noch ganze Sätze sprechen. EMOM steht für "Every Minute On the Minute": du beginnst jede Minute einen neuen Satz und der Rest der Minute ist deine Pause. 1RM ist "1 Rep Max", das maximale Gewicht, das du einmal heben kannst.

Beispielwoche Phase 2 (Woche 5 bis 9)

Tag Inhalt Detail
Montag Kraftausdauer 4 Runden: 1 km im Renntempo + 10 Sek, Schlittenziehen 50m auf 90%, 20 Wall Balls, 3 Min Pause
Dienstag Schwellenarbeit 3x2 km im 10K-Tempo, 4 Min Erholungsjog dazwischen
Mittwoch Ganzkörperkraft Schlittenarbeit progressiv, Wall Balls 6x15, Ski-Erg 4x750m
Donnerstag Leichter Lauf und Zusatztraining 30 Min Zone 2 und Rotatorenmanschette und Core
Freitag Stationssimulation Alle 4 Min für 32 Min: rotiere durch 8 Stationen mit 95% Rennanstrengung
Samstag Langer Dauerlauf 16 bis 22 km Zone 1 bis 2
Sonntag Ruhe oder aktiv Wandern, Foam Rolling, Eisbad bei Bedarf. Lies wann Eisbäder wirklich helfen im Eisbad-Guide.

Beispielwoche Phase 3 (Woche 10 bis 13)

Tag Inhalt Detail
Montag Renn-Pace Simulation 4x1 km direkt gefolgt von einer Station mit Renngewicht
Dienstag Schwelle und Tempo 2x3 km im Renntempo + 5 Sek., 5 Min. Jogging dazwischen
Mittwoch Schweres Krafttraining Schlittenziehen mit 100% Renngewicht, Wallball-Ermüdungssätze
Donnerstag Erholungslauf und Technik 40 Min. Zone 2 und Video-Check an den Stationen 6 bis 8 zur Techniküberprüfung
Freitag Halbe Rennsimulation 4x (1 km Lauf + 1 Station im Renntempo), Finish mit Eimer
Samstag Langer Dauerlauf 14 bis 18 km Zone 2
Sonntag Volle Ruhe Foam Rolling, Eisbad, Schlafen

Rennwoche (Woche 16)

Tag Inhalt Detail
Montag Kurze Intensität 4x400m im Renntempo, insgesamt 25 Min.
Dienstag Ruhe Gehen, Mobilität
Mittwoch Aktivierungseinheit 2x 200m + 10 Wallballs + 2x 200m: fühlt sich zu kurz an, das ist gut
Donnerstag Ruhe Carb-Loading beginnt
Freitag Kurze Mobilität 20 Min. Gehen, dynamisches Aufwärmen
Sa/So RENNEN Sub-70 Versuch

Schlittenziehen: die Winkelfixierung

Sie haben sicher schon einmal jemanden beim Schlittenziehen vorbeirennen sehen, während Sie sich abmühten. In neun von zehn Fällen liegt der Unterschied nicht in der Kraft, sondern im Winkel.

Die optimale Position

  • Hüftwinkel 45 bis 50 Grad. Tiefer: Ihre Hamstrings leisten unnötig viel Arbeit. Höher: Sie verlieren Quadrizeps-Kraft.
  • Schultern über oder leicht vor den Händen, nicht dahinter. Dies ist der häufigste Fehler.
  • Neutraler Rücken mit 360-Grad-Core-Spannung. Denken Sie an Druck um Ihre gesamte Mitte, nicht nur das Anspannen des Bauches.
  • Kurze, kraftvolle Schritte. Nicht ausstrecken. Fuß ungefähr unter der Hüfte aufsetzen.
In einfachen Worten

Beim Schlittenziehen fungiert Ihr Körper als Hebel. Der Winkel, in dem Sie sich befinden, bestimmt, welche Muskeln die meiste Arbeit leisten. Sich zu weit nach vorne zu lehnen, erscheint logisch, mehr Vorwärtskraft, oder? Aber es bringt Ihr Schulterblatt in eine ungünstige Position. Die Schulter wird dann kompensieren, und an Station 7 oder 8 ist Ihre Rotatorenmanschette erschöpft. Rotatorenmanschette ist die Gruppe von vier kleinen Muskeln, die Ihre Schulter während der Bewegung stabil halten. Klein, aber entscheidend.

Atemmuster

Darauf achtet fast niemand, aber es macht einen Unterschied. Bei jedem kraftvollen Schritt nach vorne eine kurze, explosive Ausatmung: Das erhöht Ihren intraabdominalen Druck (den Druck in Ihrer Bauchhöhle) und gibt Ihrem Core mehr Stabilität, um Kraft zu übertragen. Den Atem anzuhalten, fühlt sich stark an, führt aber nach 30 Sekunden zu Schwindel. Kurzes Einatmen zwischen den Schritten durch die Nase, solange Sie unter 85% Anstrengung bleiben.

Häufiger Fehler: Schultern zu weit hinter den Händen

Dies belastet Ihre vordere Schulter stark und ist eine Hauptursache für die Rotatorenmanschetten-Irritation, die so viele Hyrox-Athleten plagt. Fix: Üben Sie Wand-Push-Positionen: Stehen Sie mit den Händen an der Wand in genau dem Winkel, den Sie beim Schlittenziehen verwenden, halten Sie 30 Sekunden und wiederholen Sie 3 Mal. Zweimal pro Woche. Klingt klein, verhindert aber die Verletzung, die Ihre Saison ruiniert.

Wallballs: Tempomanagement

Elite-Athleten brechen nicht bei einer bestimmten Anzahl von Wiederholungen ein. Sie brechen ein, wenn ihr Tempo sinkt. Das passiert fast immer irgendwo zwischen Wiederholung 60 und 70.

Tempo aufteilen

Für 100 Wallballs funktioniert unter Druck fast immer dasselbe Muster: Aufteilung von 10-12-10-12-10-12-10-12-10-12 mit Mikropausen von 1 bis 2 Sekunden zwischen jedem Block. Das ist schneller, als sich durchzukämpfen, bis man zusammenbricht, dann 15 Sekunden stillzustehen und dann von vorne zu beginnen.

In einfachen Worten

Ihr Instinkt sagt: "Durchkämpfen, nicht aufhören, denn Aufhören ist Zeitverlust." Das Gegenteil ist bei Wallballs der Fall. Eine Mikropause von 2 Sekunden, um Ihren Atem zurückzusetzen, kostet Sie 2 Sekunden. Sich durchzukämpfen, bis Sie zusammenbrechen und dann eine große Pause von 15 Sekunden oder mehr benötigen, kostet Sie viel mehr. Außerdem verschlechtert sich Ihre Technik, wodurch der nächste Satz auch langsamer wird.

Atemmuster: alle 2 Wiederholungen

Nicht jede Wiederholung, nicht alle 3 Wiederholungen. Alle 2. Eine kurze Ausatmung beim Werfen, eine schnelle Einatmung beim Heruntergehen. Die Synchronisation von Atem und Bewegung ist auf diesem Niveau kein Luxus. Sie ist entscheidend für Ihr Tempo.

Knie, die nach innen fallen

Fast jeder bekommt das nach der 60. Wiederholung. Die Knie fallen zueinander anstatt über den Zehen zu bleiben. Ergebnis: Mehr Belastung für Ihr IT-Band (die Sehne an der Außenseite Ihres Oberschenkels), Ihre medialen Kniestrukturen und Ihre Adduktoren (innere Oberschenkelmuskeln). Prävention? Copenhagen Planks 3x30 Sekunden, 3x pro Woche. Klingt einfach, wirkt phänomenal für Adduktorenkraft und Kniekontrolle unter Ermüdung.

Andere Stationen: die Kurzversion

Hier die zwei wichtigsten Tipps pro verbleibender Station, ohne jedem Element ein eigenes Kapitel zu widmen.

Ski-Erg

Zuerst mit den Armen ziehen, dann mit den Hüften absenken: nicht umgekehrt. Atmen Sie beim Zurückführen ein, nicht beim Ziehen. Viele Athleten verschwenden Energie mit Rumpfrotation. Halten Sie Ihren Rumpf stabil und bewegen Sie sich aus Hüften und Armen.

Sled Push

Niedriger Winkel (Hüften tiefer als Schultern), kurze schnelle Schritte, Kopf leicht nach oben. Drücken Sie mit dem Fuß vom Boden ab, nicht mit den Schultern.

Burpee Broad Jumps

Tempo vor Geschwindigkeit: Ein langsameres, aber konsistentes Tempo ist schneller, als hart zu starten und dann anzuhalten. Sprunglandung auf dem Mittelfuß, Knie leicht gebeugt.

Rudern

Schlagfrequenz 28 bis 32 für die meisten Athleten im Renntempo. Reihenfolge pro Ruderschlag: zuerst Beine, dann Rumpf, dann Arme.

Farmer's Carry

Schultern nach hinten und unten, nicht hochgezogen. Kurze Schritte, hohe Frequenz. Schauen Sie auf einen festen Punkt in der Ferne, nicht auf Ihre Füße.

Sandbag Lunges

Vorderes Knie über dem Knöchel (nicht darüber), hinteres Knie berührt leicht den Boden. Sandbag auf der Schulter, nicht vor Ihnen. Atmen Sie bei jedem Knieschlag.

Arbeitslastmanagement (ACWR nuanciert)

Das Akut-versus-Chronisch-Arbeitslast-Verhältnis (ACWR) wurde durch Tim Gabbett (BJSM 2016) bekannt und wird in der Trainingsliteratur häufig verwendet. Die Idee: Vergleichen Sie Ihre Trainingsbelastung der letzten 7 Tage (akut) mit dem Durchschnitt der letzten 28 Tage (chronisch). Ein Verhältnis über 1,5 soll das Verletzungsrisiko erhöhen.

Wichtige Nuance

Der ACWR ist ein nützliches Orientierungskonzept, aber kein exakter Vorhersager. Jüngste Kritik (Impellizzeri 2020 in BJSM, Wang 2025 systematische Übersicht) weist auf grundlegende statistische Probleme hin, und der Beweis für einen direkten kausalen Zusammenhang mit Verletzungen ist nicht schlüssig. Verwenden Sie es als eine allgemeine Überprüfung Ihrer Belastungstrends, nicht als mathematische Garantie gegen Verletzungen.

Praktische Anwendung

Was jedoch stimmt: Plötzliche Volumensteigerungen erhöhen das Verletzungsrisiko. Ob Sie das nun als ACWR, als 10%-Regel oder einfach als gesunden Menschenverstand ausdrücken: Das Prinzip ist dasselbe.

Praktische Regeln:

  • Erhöhen Sie Ihr Wochenvolumen um maximal 10 bis 15 Prozent pro Woche
  • Nach einer Ruhewoche oder einem Urlaub: Bauen Sie zwei Wochen lang vorsichtig auf, bevor Sie zu Ihrem alten Volumen zurückkehren
  • Zwei schwere Wochen hintereinander sind in Ordnung, aber die dritte Woche sollte eine Ruhe- oder Taper-Woche sein
  • Erhalten Sie Warnsignale (ziehende Sehne, schlechter Schlaf, niedrige HRV)? Reduzieren Sie das Volumen um 30 bis 40% und behalten Sie die Frequenz bei
In einfachen Worten

HRV steht für "Heart Rate Variability", also die Variabilität der Zeit zwischen den Herzschlägen. Mehr Variabilität ist besser: Es bedeutet, dass Ihr Nervensystem flexibel reagiert. Eine niedrige HRV bedeutet, dass Ihr Körper im Stressmodus ist und Erholung benötigt. Viele Sportuhren messen dies. Ihre persönliche Basislinie ist wichtiger als absolute Werte: Achten Sie auf Abweichungen von Ihrem eigenen Normalwert.

Verletzungsprävention: Schultern und Sehnen

Die drei Verletzungen, die Hyrox-Athleten auf fortgeschrittenem Niveau am häufigsten außer Gefecht setzen: Rotatorenmanschetten-Irritation (Schulter), Achillessehnen-Tendinopathie (Schmerzen in der Achillessehne an der Rückseite des Unterschenkels) und patellofemorale Beschwerden (Springerknie, Schmerzen um die Kniescheibe). Alle drei können mit gezielter Prävention verhindert werden, sofern man dies rechtzeitig tut. Die effektivsten Hyrox-Verletzungspräventionsübungen bespreche ich hier pro anfälliger Zone.

Schultern: der größte Übeltäter

Die Kombination aus Ski-Erg, Schlittenziehen, Wallballs und Farmer's Carry belastet Ihre Schultern wiederholt in ähnlichen Bewegungen. Die Rotatorenmanschette (vier kleine Muskeln, die Ihre Schulter stabil halten) wird gereizt, lange bevor Sie es merken. Eine vollständige Übersicht über Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten finden Sie im vollständigen Leitfaden zu Schulterschmerzen.

Präventives Minimum: 3x pro Woche, 10 Minuten

  • Außenrotation mit Widerstandsband: 3x15 pro Seite in langsamem Tempo
  • Y-T-W-Übungen (auf dem Bauch liegend, Arme in Y-, T- und W-Form heben): 3x8 pro Form
  • Face Pulls mit Band: 3x15 mit Pause bei Kontraktion
  • Scapula Push-ups (Liegestützposition, nur Schulterblätter bewegen): 3x10
In einfachen Worten

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier kleinen Muskeln um Ihr Schultergelenk: Supraspinatus, Infraspinatus, Teres minor und Subscapularis. Sie sind klein, aber wesentlich für die Schulterstabilität. Da sie klein sind, werden sie leicht von Ihren großen Muskeln (Deltamuskel, Trapezmuskel) überfordert. Bei Hyrox werden sie durch die Kombination von Bewegungen überlastet. Spezifische Außenrotationsübungen sprechen sie direkt an.

Achillessehne: Prävention in Phase 1

Achillessehnenbeschwerden treten fast immer in Phase 1 Ihres Aufbaus auf, werden aber erst in Phase 2 oder 3 sichtbar. Die Sehne wächst langsamer mit als Ihr Laufvolumen. Bis Sie es spüren, sind Sie bereits wochenlang zu weit gegangen.

Exzentrische Wadenarbeit ist der Goldstandard:

  • Exzentrische Wadenheben auf einer Stufe: 3x15 pro Bein, 4 Sekunden absenkend
  • 2x pro Woche während Phase 1, danach 1x pro Woche
  • Auch mit gebeugtem Knie (zielt auf den Soleus) und gestrecktem Knie (zielt auf den Gastrocnemius)

Bekommen Sie trotzdem Beschwerden? Nicht weiterlaufen. Reduzieren Sie das Volumen um 50%, verdoppeln Sie die Wadenarbeit und wenn es nach 7 Tagen nicht besser wird: Physiotherapeut. Weiterlaufen mit Achillessehnenbeschwerden führt zu einer Tendinopathie (Sehnenerkrankung), die Monate dauern kann. Nicht Tage: Monate.

Knie: Springerknie vermeiden

Patellofemorale Beschwerden (Schmerzen um die Kniescheibe) entstehen oft durch schwache Gesäßmuskeln in Kombination mit viel Sprungbelastung bei Burpee Broad Jumps und Wallballs. Die Lösung ist paradox: nicht mehr Kniearbeit, sondern mehr Hüftarbeit.

  • Side-Leg-Raises mit Band: 3x15 pro Seite
  • Single-Leg Glute Bridges: 3x10 pro Seite
  • Step-Downs von einer 20 cm hohen Stufe: 3x10 pro Seite, 4 Sekunden absenkend

Die Zubehörarbeit, die zählt

Neben Ihrem Haupttraining benötigen Sie unterstützende Arbeit, die kein direktes Rennergebnis liefert, aber verhindert, dass Ihr Rennergebnis einbricht. Dies fühlt sich an wie "zusätzliche Arbeit, die nicht so wichtig ist". Das ist der Grund, warum Sie an Station 7 nicht zusammenbrechen.

Für Ihren Rumpf (2x pro Woche)

  • Pallof Press: 4x10 pro Seite mit maximalem Widerstand. Anti-Rotationsarbeit, die sich direkt auf Schlittenziehen und Farmer's Carry überträgt.
  • Suitcase Carry: 3x40 Meter mit 40+ kg in einer Hand. Asymmetrische Belastung trainiert Ihren Rumpf für die Farmer's Carry Station.
  • Dead Bug mit Band: 3x12. Koordination zwischen gegenüberliegendem Arm und Bein unter Spannung.

Für Knie und Achillessehne (2x pro Woche)

  • Negatives Treppensteigen: 3x8 pro Seite, 4 Sekunden absenkend
  • Wadenheben gerade und gebeugtes Knie: 4x15 mit schwerem Gewicht
  • Isometrische Split Squats: 3x30 Sek. pro Seite in Renn-Ausfallschrittposition

Für Schultern (3x pro Woche, nicht verhandelbar)

Siehe oben unter "Schultern: der größte Übeltäter". Dies sind die Übungen, die Ihre gesamte Hyrox-Zukunft retten können. Überspringen Sie sie nicht.

Mentale Taktik pro Stationsblock

Hyrox auf fortgeschrittenem Niveau ist größtenteils ein mentales Spiel. Hier die Taktik pro Block.

Stationen 1 bis 3: konservativ spielen

Anstrengungsgefühl: 7 von 10. Sie bauen hier auf Ihrem aeroben System auf und kommen noch nicht in die Glykolyse (bei der sich Milchsäure ansammelt). Fühlt sich zu einfach an: Das ist der Punkt. Athleten, die hier hart starten, sehen ihre Zeit an Station 6 oder 7 einbrechen.

In einfachen Worten

Ihr Körper hat zwei Systeme zur Energiegewinnung. Das aerobe System verwendet Sauerstoff und ist nahezu unerschöpflich, aber relativ langsam. Das glykolytische System liefert schnell Energie ohne Sauerstoff, produziert aber Milchsäure. Das brennt in den Beinen. Während der Stationen 1 bis 3 wollen Sie sich auf das aerobe System verlassen. Wenn Sie in den ersten 30 Minuten in die Glykolyse geraten, haben Sie viel Milchsäure, wenn die schweren Stationen kommen.

Stationen 4 bis 6: hier wird das Rennen entschieden

Anstrengungsgefühl: 8 von 10. Behalten Sie technische Präzision, auch wenn die Ermüdung zunimmt. Athleten, die hier die Kontrolle verlieren, zahlen den Preis an Station 7 und 8.

Stationen 7 bis 8: kontrolliertes Leiden

Anstrengungsgefühl: 9+ von 10. Mentaler Trick: Denken Sie nicht an "noch 2 Stationen". Denken Sie an "nächste 10 Wiederholungen, nächste 50 Meter, nächste Atmung." Das Aufteilen des Gehirns in Mikroblöcke reduziert das überwältigende Gefühl.

Boxatmung zwischen den Stationen

Zwischen den Stationen 30 Sekunden Boxatmung (4 Sekunden ein, 4 Sekunden halten, 4 Sekunden aus, 4 Sekunden halten). Dies aktiviert Ihr parasympathisches Nervensystem, den "Ruhemodus", und kann Ihre Herzfrequenz innerhalb von 60 Sekunden um 10 bis 15 Schläge senken. Das ist wertvoll in der Roxzone (dem Übergang zwischen einer Station und dem nächsten Lauf).

Ernährung in der Rennwoche

Keine Vorschläge: hier das Protokoll, das für Sportveranstaltungen zwischen 60 und 90 Minuten funktioniert.

Moment Kohlenhydrate Protein / Sonstiges
7 Tage vorher 3 bis 4 g/kg Körpergewicht 2 g/kg Protein, normale Ernährung
3 Tage vorher 6 bis 8 g/kg, Ballaststoffe reduzieren 2 g/kg Protein, Fett moderat
Tag vorher 8 bis 10 g/kg, hoher GI Minimale Ballaststoffe und Fett
2 Stunden vor Start 1 bis 1,5 g/kg leicht verdaulich Ein wenig Protein ist in Ordnung
Während des Rennens 30 bis 40 g/Stunde über Gels oder Getränke Vor allem Flüssigkeit und Elektrolyte
In einfachen Worten

Der Glykämische Index (GI) misst, wie schnell ein Kohlenhydrat Ihren Blutzucker ansteigen lässt. Hoher GI bedeutet schnell verfügbar (Weißbrot, weißer Reis, Sportgetränk). Niedriger GI ist langsam verfügbar (Vollkorn, Hülsenfrüchte, Haferflocken). Am Tag vor dem Rennen wollen Sie einen hohen GI, um Ihre Glykogenspeicher (die Energiespeicher in Muskeln und Leber) schnell zu füllen. Ein niedriger GI ist normalerweise gesünder, aber hier gilt die umgekehrte Logik.

Wichtig: Experimentieren Sie nicht mit neuer Nahrung am Renntag. Testen Sie alle Gele, Getränke und Mahlzeiten mindestens zweimal im Training, bevor Sie sie im Wettkampf verwenden.

Was Sie alle 3 Wochen messen

Nicht messen bedeutet nicht wissen. Planen Sie alle 3 Wochen eine feste Testsitzung, um zu überprüfen, ob Ihre Periodisierung funktioniert.

  • 1 km Zeitfahren maximal: Ziel Sub-3:30 für Männer, Sub-4:00 für Frauen bei Sub-70 Ambition
  • Schlittenziehen 25 Meter mit Renngewicht: Ziel Sub-20 Sekunden
  • 100 Wallballs ununterbrochen: Ziel Sub-4:30
  • Ski-Erg 1000 Meter maximal: Ziel Sub-3:30
  • HRV-Trend (täglich messen): Durchschnitt über 50ms bedeutet gut erholt, unter 40ms weist auf eine überlastete Phase hin

Stagnation oder Rückgang in zwei aufeinanderfolgenden Tests ist ein Signal, Ihre Periodisierung oder Erholung anzupassen. Nicht mehr trainieren, sondern anders trainieren.

4 Hyrox-Mythen entkräftet

Mythos 1

"Mehr Volumen ist schneller"

Auf fortgeschrittenem Niveau ist es sogar umgekehrt. Volumenspitzen über einer individuellen Schwelle führen zu Gewebeversagen, nicht zu besseren Zeiten. Gezielte Intensität mit ausreichender Erholung funktioniert. Sub-70-Athleten, die ein Plateau erreichen, lösen dies selten mit mehr Trainingsstunden, sondern häufiger mit besserer Periodisierung und mehr Ruhe.

Mythos 2

"Statisches Dehnen vor dem Rennen verhindert Verletzungen"

Das Gegenteil ist der Fall. Statisches Dehnen vor einer explosiven Sportart verringert vorübergehend Ihre Kraftleistung (Behm und Chaouachi 2011). Für Hyrox: Dynamisches Aufwärmen von 10 bis 15 Minuten mit progressiver Intensität. Statisches Dehnen ist für nach dem Wettkampf oder andere Tageszeiten reserviert.

Mythos 3

"Durch Verletzungen durchzulaufen, macht stärker"

Muskelkater nach dem Training (DOMS, d.h. verzögerter Muskelkater) ist in Ordnung, er verschwindet von selbst. Aber Schmerzen, die scharf sind, lokal auftreten oder sich beim Laufen verschlimmern, sind ein Warnsignal. Durchlaufen verwandelt eine kleine Beschwerde in eine große Verletzung. Bei Fortgeschrittenen sind Verletzungen oft Überlastungen von Sehnen, und das "Durchziehen" bestraft besonders hart.

Mythos 4

"Sub-70 bedeutet automatisch Podium"

Nicht bei jedem Event. Sub-70 platziert Sie in den Top 25% bei Open Men und den Top 10% bei Open Women. Das ist Podiumsanwärter bei kleineren lokalen Events, aber bei großen oder internationalen Veranstaltungen müssen Sie für Männer in Richtung Sub-65 und für Frauen in Richtung Sub-72 schauen. Realistische Ziele basierend auf Ihrer Altersklasse und dem Teilnehmerfeld zu setzen, verhindert Enttäuschungen.

7 häufigste Fehler von Fortgeschrittenen

1. Phase 1 überspringen. Sie fühlen sich gut, also scheint der Sprung zu Phase 2 oder 3 logisch. Ergebnis: In Woche 8 eine Achillessehnenverletzung, die Sie in Woche 4 nicht gespürt hätten, wenn Sie die anatomische Anpassungsphase durchgeführt hätten.

2. Schulterprävention als optional ansehen. 10 Minuten, 3x pro Woche. Als fortgeschrittener Athlet ist dies keine Option mehr, sondern Ihre Versicherung gegen 4 bis 6 Wochen Ausfall mitten im Aufbau.

3. Keine Schärfetests. Training ohne Messung ist Glücksspiel. Alle 3 Wochen überprüfen, ob Sie Fortschritte machen: Sonst wissen Sie nicht, ob Ihre Periodisierung funktioniert.

4. Zu spät abtrainieren. Das Volumen bis 5 Tage vor dem Rennen hochhalten. Ihr Rennen wird nicht besser durch die letzte Trainingswoche, sondern durch die letzte Erholungswoche.

5. Ernährung erst in der Rennwoche ernst nehmen. Wer 16 Wochen lang schlampig isst und versucht, die letzte Woche zu kompensieren, bekommt am Renntag Durchfall. Eine gute tägliche Ernährungsbasis ist eine Voraussetzung, keine Feinabstimmung.

6. Mit Internetzeiten vergleichen. Strava und HyResult sind wertvolle Tools, aber wenn Sie Ziele auf den Elite-15-Zeiten basieren, werden Sie frustriert sein. Vergleichen Sie mit Ihrer eigenen früheren Zeit, Altersgruppe und dem lokalen Teilnehmerfeld.

7. Ruhetage nicht respektieren. Ruhetag ist vollständige Ruhe, nicht "mal eben eine leichte Runde". Gewebeanpassung findet während der Erholung statt, nicht während der Belastung. Keine Erholung bedeutet keinen Fortschritt.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft sollte ich Hyrox-spezifisch pro Woche trainieren?

Als fortgeschrittener Athlet in Richtung Sub-70: 5 bis 6 Einheiten pro Woche, inklusive 1 vollständiger Rennsimulation oder Stationsblock alle 2 Wochen. Jede Einheit hat ein spezifisches Ziel innerhalb Ihrer Periodisierung. Keine willkürlichen Trainingseinheiten mehr.

Wie lange dauert es realistisch von 1:15 bis Sub-70?

16 bis 24 Wochen bei guter Periodisierung und ohne verletzungsbedingte Unterbrechungen. Schnellere Versuche erhöhen das Verletzungsrisiko erheblich. Zwei sorgfältige Zyklen von 16 Wochen bringen Sie oft weiter als vier schlampige Zyklen von 8 Wochen.

Wie verhindere ich Schulterprobleme?

Rotatorenmanschetten-Ausdauer 3x pro Woche (Y-T-W, externe Rotation, Face Pulls), Schulterblatt-Stabilität durch Scapula Push-ups und Wandball-Tempo mit Mikropausen anstatt bis zum Versagen zu pushen. Bei ersten Beschwerden: Volumen halbieren, nicht durchdrücken.

Sollte ich Höhentraining in Betracht ziehen?

Für Sub-65-Ziele ist ein marginaler Gewinn möglich. Für Sub-70 ist es nicht notwendig. Optimieren Sie zuerst Gewebekapazität, Rennausführung und Ernährung: Dort liegt viel mehr Potenzial. Höhenanpassungen erfordern mindestens 3 bis 4 Wochen in der Höhe, was für die meisten Freizeitsportler nicht machbar ist.

Wie verwalte ich meine Arbeitslast in der Tapering-Woche?

Woche vor dem Rennen: Volumen um 60% reduzieren, Intensität bleibt rennspezifisch. Letzte schwere Einheit 10 Tage vor dem Rennen. Danach nur noch die Schärfe durch kurze Intensitätseinheiten von maximal 25 bis 30 Minuten halten. Ihr Rennergebnis profitiert davon mehr als von zusätzlichem Training.

Wann sollte ich die Faszienrolle benutzen?

Vor dem Training: 5 bis 6 Minuten Gewebevorbereitung (Oberschenkel, Waden, oberer Rücken). Nach dem Training: 8 bis 10 Minuten zur Regeneration aller Hauptmuskelgruppen. Beide Zeitpunkte sind wertvoll. Für detaillierte Protokolle siehe den Faszienrollen-Leitfaden.

Was, wenn meine Herzfrequenzvariabilität (HRV) niedrig bleibt?

Reduzieren Sie das Volumen um 30 bis 40% und behalten Sie Frequenz und Intensität bei. Konzentrieren Sie sich auf Schlafqualität (8 Stunden oder mehr, dunkel und kühl), Stressmanagement und Ernährung. Ein niedriger HRV-Trend von mehr als 5 Tagen ist eine rote Flagge: Planen Sie 1 bis 2 zusätzliche Erholungstage ein.

Beste Strategie für Stationsübergänge?

Üben Sie "Renn-Tempo-Lauf, Station, Renn-Tempo-Lauf" ohne vollständige Erholung dazwischen. Trainieren Sie den Übergang zwischen Anstrengung und Spitzenbelastung explizit, denn das ist eine eigene Fertigkeit. Die Roxzone (Übergang) kostet Elite-Athleten durchschnittlich 3 Minuten und normale Athleten 7 Minuten: Das sind 4 Minuten potenzielle Zeitersparnis.

Helfen Eisbäder bei der Erholung?

Zwischen Trainingseinheiten: ja, begrenzt. Eisbäder direkt nach schweren Einheiten können Muskelkater reduzieren und das Erholungsgefühl verbessern. Vermeiden Sie Eisbäder in den ersten 4 Stunden nach dem Krafttraining in Phase 1 oder 2, da dies die Muskelanpassung hemmen kann. In der Rennwoche und in Erholungsphasen sind sie in Ordnung. Für das vollständige Protokoll: siehe den Eisbad-Leitfaden.

Kann ich dieses Schema mit CrossFit oder Dauerlauf kombinieren?

Mit Anpassungen ja, aber nicht integral. Jede zusätzliche ernsthafte Sportart erhöht die Belastung, die Ihr Erholungsbudget berücksichtigen muss. Faustregel: 1 bis 2 zusätzliche Einheiten pro Woche mit einem anderen Fokus sind in Ordnung. Mehr als das untergräbt Ihre Periodisierung. In der Rennwoche und dem letzten Block von Phase 3: nur Hyrox-Arbeit.

Quellen und Referenzen

Alle Behauptungen in diesem Artikel lassen sich auf peer-reviewed Forschung oder offizielle Hyrox-Daten zurückführen.

  1. Lauersen, J.B., Bertelsen, D.M., Andersen, L.B. (2014). The effectiveness of exercise interventions to prevent sports injuries: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. British Journal of Sports Medicine, 48(11), 871-877.
  2. Wang, Y., et al. (2025). Acute to chronic workload ratio (ACWR) for predicting sports injury risk: a systematic review and meta-analysis. BMC Sports Science, Medicine and Rehabilitation.
  3. Impellizzeri, F.M., Woodcock, S., Coutts, A.J., Fanchini, M., McCall, A., Vigotsky, A.D. (2020). Acute:Chronic Workload Ratio: Conceptual Issues and Fundamental Pitfalls. International Journal of Sports Physiology and Performance, 15(6), 907-913.
  4. Soligard, T., et al. (2016). How much is too much? (Part 1) International Olympic Committee consensus statement on load in sport and risk of injury. British Journal of Sports Medicine, 50(17), 1030-1041.
  5. Behm, D.G., Chaouachi, A. (2011). A review of the acute effects of static and dynamic stretching on performance. European Journal of Applied Physiology, 111(11), 2633-2651.
  6. Beattie, K., et al. (2017). The effect of strength training on performance indicators in distance runners. Journal of Strength and Conditioning Research, 31(1), 9-23.
  7. Petersen, J., et al. (2011). Preventive effect of eccentric training on acute hamstring injuries in men's soccer: a cluster-randomized controlled trial. American Journal of Sports Medicine, 39(11), 2296-2303.
  8. Gabbett, T.J. (2016). The training-injury prevention paradox: should athletes be training smarter and harder? British Journal of Sports Medicine, 50(5), 273-280.
  9. HyroxDataLab (2026). What is a Good HYROX Time? Analyse von 700.000+ Hyrox finish-tijden. hyroxdatalab.com
  10. HyResult (2026). Hyrox athlete profiles, race analytics. hyresult.com
  11. Burke, L.M., et al. (2019). International Association of Athletics Federations Consensus Statement 2019: Nutrition for Athletics. International Journal of Sport Nutrition and Exercise Metabolism, 29(2), 73-84.
  12. American College of Sports Medicine (2024). ACSM's Guidelines for Exercise Testing and Prescription, 11th edition.
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